Arbeitslosenzentrum

1985 - 2020

 

  • Ein Begriff, entstanden in der Zeit

  • als die Postleitzahlen noch vierstellig waren.

  • als Arbeitslosigkeit ein öffentliches Thema wurde.

  • als Arbeitslose begannen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

  • als Arbeitslosenselbsthilfevereine gegründet wurden

  • und der Slogan lautete: „Arbeitslos - nicht wehrlos“.

 

Die Phase der Vollbeschäftigung, in der die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland mit unter 1 % sehr niedrig war, endete mit der Ölkrise 1973/ 74. Themen wurden Strukturwandel, Massenarbeitslosigkeit und Lehrerschwemme.

Die Zahl der Arbeitslosen erreichte ihren Höchststand im Jahre 1985 mit
2,3 Millionen Menschen/ 9,3 %.

An vielen Stellen in Deutschland entstanden Arbeitslosenzentren und -initiativen.

So auch in Gütersloh, wo sich Mitte der 80er Jahre zwölf betroffene Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren zusammentaten, sich regelmäßig in der Weberei trafen und sich und andere Arbeitslose unterstützten.

Wichtig waren ihnen, ihre persönliche Isolation und finanzielle Not zu überwinden. Sie tauschten Informationen aus, halfen sich und anderen bei der Bewältigung des Papierkrams mit Ämtern, beschäftigten sich gemeinsam und verabredeten sich zu sportlichen Aktivitäten.

1986 wurde aus diesem Engagement die Arbeitslosenselbsthilfe Gütersloh e. V., kurz ash.

Diese Anfangsmotivation trug die Arbeitslosenselbsthilfe Gütersloh e. V./ ash gGmbH durch die Zeit. Anlaufstelle für Arbeitslose zu sein, Informationen, Unterstützung, Orientierung, Bildung und Beschäftigung anzubieten, aber auch die Möglichkeit der Begegnung oder, einfach mal auf einen Kaffee reinzuschauen ... (letzteres ist durch Corona gerade leider erschwert.)

Arbeitslosenzentren wurden viele Jahre vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert, mal mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und in der Regierungszeit der CDU/ FDP, 2005 bis 2010, auch mal gar nicht.

Am 31.12.2020 war nun endgültig Schluss mit der Förderung von Arbeitslosenzentren in NRW und das in die Jahre gekommene Wort wird noch seltener werden.

Aber die Ideen dahinter bleiben aktuell. So haben wir zwar das Arbeitslosenzentrum begraben müssen, aber nicht die Problematik dahinter.

Denn:

Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte, Menschen im ergänzenden ALG-II-Bezug und prekär Beschäftigte

  • suchen weiter nach ihren Möglichkeiten rund um die Themen Arbeit, Ausbildung und Arbeitslosigkeit.

  • fragen sich, welche Rechte sie gegenüber Arbeitgebern und Behörden haben und wie sie sie durchsetzen können.

  • brauchen Möglichkeiten des Austauschs und der Begegnung.

Seit Januar 2021 bietet nun die Beratungsstelle Arbeit bei der ash ein unabhängiges Angebot zur Information und Unterstützung rund um die Themen Arbeit und Arbeitslosigkeit.