Waren aus zweiter Hand

 

Schloß Holte-Stukenbrock

 

Eines der skurrilsten Objekte, das die Mitarbeiter abgeholt haben, war ein Bett mit fest montierten Handschellen. „Das Bett war gut, aber die Handschellen haben wir abgesägt“, sagt Angelika Grahl.
Sie ist eine der Geschäftsführerinnen der Arbeitslosenselbsthilfe (ash) Gütersloh, die den Second-Hand-Laden „La Mina“ in Schloß Holte-Stukenbrock betreibt. Jetzt hat die ash das Konzept überarbeitet und die Verkaufsfläche vergrößert.


Gern spricht die Geschäftsführung auch von einem Sozialkaufhaus, denn mit den Alltagsgegenständen aus dem La Mina an der Alten Spellerstraße können sich Kunden ihre
komplette Wohnung einrichten. Und noch mehr. Sofas, Stühle, Betten, Bücher, Geschirr, Puppen, Spiele, CDs, Sportgeräte, Fahrrad- und Motorradhelme – sogar ein Neoprenanzug für Taucher hängt an einem Garderobenständer. Neben dem „Gedöns“ für den Haushalt, wie Angelika Grahl es nennt, gibt es eine große Auswahl an Kleidung für Erwachsene undKinder.


Das Prinzip des Second-Hand-Kaufhauses: Sämtliche Gegenstände erhält die gemeinnützige Arbeitslosenselbsthilfe als Spende. „Wir kaufen nichts dazu“, sagt ash-Geschäftsführer
Jürgen Delker. Bedingung ist, dass die Waren noch in Ordnung sein müssen („Das ist keine Huddelbude“). Alle Gegenstände werden gewaschen, gereinigt und gegebenenfalls ausgebessert, dann können sie kostengünstig im La Mina gekauft werden. Ein massives Etagenbett zum Beispiel
für 100 Euro, Stühle für 5 bis 15 Euro, Kleidung ab 3 Euro. Der Second-Hand-Laden ist keineswegs
nur einkommensschwachen Menschen vorbehalten, jeder darf dort einkaufen.


Dass tatsächlich Leute aus allen Schichten kommen, lasse sich an den Autos auf dem Parkplatz absehen, sagen die Betreiber. Es kommen nicht nur Kunden, die sich teure Waren nicht leisten können. Manche sind auf der Suche nach Schnäppchen oder alten Schätzen, manchen gefällt die
Idee der Nachhaltigkeit und Wiederverwendung. Kleidung, die nicht auf das Interesse der Käufer stößt, wird nach Bethel abgegeben, 90 Prozent der angebotenen Möbel werden verkauft. Damit insbesondere die Möbel besser präsentiert werden können, ist die Verkaufsfläche jetzt auf
etwa 1.500 Quadratmeter vergrößert worden. Weitere 300 sollen mittelfristig hinzukommen.
So ist es möglich, große Möbel wie Betten auch aufzubauen, statt Einzelteile an die Wand zu lehnen. „Niemand kauft Bretter“, sagt Jürgen Delker.

Neue Westfälische 07.05.2019

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